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Amoklauf bei Bonn
Und wieder eine sog. „Eilmeldung“ bei N24 zu einem möglichen Amoklauf an einer deutschen Schule.

Die Polizei gibt sofort -laut N24- eine sog. „Amokwarnung“ aus, umzingelt geschickt die Schule, um sich in einem weiteren Schritt erst gekonnt an- bzw. dann einzuschleichen um den oder die Täter ausfindig und später dann dingfest zu machen.
Die Nachrichten-Maschinerie läuft an, vorerst auf dem Level Neugier… man weiß ja noch nichts, nur Minuten später allerdings geht es auf den Level Hype… der oder die Täter (vermutlich maskiert/N24) haben vermutlich ein Mädchen verletzt, die N24-Nachrichten-Sprech-Omaten bringen sich in Stellung, starren auf den Nachrichten-Ticker… Spannung pur… und dann… dann stellt man ganz verwundert fest, der oder die möglichen Täter sind in einer Schule bei Bonn mit Messern (!!!) unterwegs… uuups.!?
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Die Polizei hat zu diesem Zeitpunkt noch gar keine verbindlichen Aussagen zu diesem Vorfall gemacht und /also auch nicht zur Anzahl oder zur Art der verwendeten „Waffen“… da spricht man bei N24 schon von Messern, also in der Mehrzahl.?
Gut, alles Andere käme -nach den ersten Meldungen- zu diesem Zeitpunkt auch irgendwie lächerlich daher… zudem sind Messer ja irgendwie auch gefährliche Gegenstände, das weiß jedes Kind u.U. könnten Messer ja auch irgendwie Waffen sein, der oder die Täter sollen zudem maskiert sein und somit ist die ganze Sache brandgefährlich, schliesslich könnte sogar:
Zitat N24
-der oder die Täter ja aus der Schule entkommen oder sich gar von der Schule entfernen, nicht auszudenken welche Gefahr für die Allgemeinheit entstehen könnte.
Die Geschichte gewinnt für N24 also an Fahrt, der erste Reporter ist vor Ort und… weiß eigentlich auch nichts, aber dass… bringt er sehr überzeugend rüber.
Derweil verrichtet die Polizei ihren Job, evakuiert die Schule und sucht weiterhin nach Täter/n und Waffe/n… so zumindest erklärt die zugeschaltete Polizeisprecherin am Telefon den völlig bedeppert drein schauenden N24-Nachrichten-Wichten die aktuelle Situation und liefert gleich noch eine Telefonnummer mit, damit möglicherweise betroffene Eltern sich über den Stand der Dinge bei der Polizei informieren können..!
Die Sprecherin der Polizei agiert dabei sehr ruhig und resolut, lässt in ihren Antworten keinen Spielraum für irgendwelche Spekulationen, verweist stattdessen auf die noch immer laufenden Ermittlungen der Polizei vor Ort.
So ist es richtig und so ist es auch gut und dabei sollte man es auch belassen, liebe Nachrichten-Wichtel von N24… wartet auf die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen und haltet euch ansonsten raus aus diesem Thema.
Studie „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“: Die Medien als Lachnummer
Wie sich eine politisch korrekte Branche selbst abwickelt
von Heribert Seifert
Das Internet bringt den Tod der Glaubwürdigkeit der konventionellen Medien politisch-korrekter Observanz. Jeden Tag kann man beobachten, wie das Versprechen von Presse, Funk und Fernsehen, die gültige Lesart der Wirklichkeit zu präsentieren, im Feuer der Kritik von Bloggern und medienkritischen Netzseiten verbrennt. Die Konstruktionen der Torwächter unserer Aufmerksamkeit und Weltwahrnehmung erweisen sich als vorurteilsgesteuerte Fiktionen, die gerade in Deutschland nicht davon erzählen, was der Fall ist, sondern stattdessen versuchen, die politisch-korrekte volkspädagogische Wunschwelt von Journalisten und ihrer politischen Kumpane für Realität zu erklären.
Auch dafür liefert der Umgang mit dem mittlerweile als Lachnummer kenntlich gemachten „Forschungsbericht“ über „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“ ein sehr anschauliches Beispiel. Vergleicht man nämlich die im Netz zugängliche Untersuchung mit dem Medienecho, so erhält man einen aufschlussreichen Einblick ins Funktionieren der journalistischen Vernunft. Man sieht, dass die Wahrnehmung der selbsterklärten Aufklärer der Reaktionsweise bedingter Reflexe folgt. So wie Pawlows Hunde nach hinreichender Konditionierung schon Speichel absonderten, wenn auch ohne Futtergabe das Glöckchen ertönte, so reichen unseren stets erregungsbereiten Alarmisten ein paar Reizworte zum „Rechtsextremismus“, um die Zeitungsseiten vollzumachen. Es genügen ein paar Zahlen (40,4 Prozent der Jugendlichen zeigen ausländerfeindliche Einstellungen, 14,2 Prozent sind sogar „sehr ausänderfeindlich“) , um eine neue Sedanfeier deutscher Schuld- und Schamkultur zu inszenieren. Keiner sieht genau zu, worauf sich solche Aussagen stützen, zieht in Zweifel, dass die Zustimmung zu Sätzen wie „in Deutschland leben zu viele Ausländer“, „die in Deutschland lebenden Ausländer sollen ihren Lebensstil besser an die Deutschen anpassen“ und „die in Deutschland lebenden Ausländer sind keine Bereicherung für die Kultur in Deutschland“ tatsächlich Belege für „Ausländerfeindlichkeit“ oder gar „Rechtsextremismus“ sein sollen.
Der herrschende Tunnelblick ist nicht einmal mehr in der Lage, den Schwerpunkt des fragwürdigen Unternehmens korrekt wiederzugeben: Denn ganze 15 Seiten der insgesamt 132 Seiten umfassenden Studie handeln von „Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus“, während die Kernbotschaft verkündet, dass die Jugendgewalt insgesamt rückläufig sei.
Vollkommen ausgeblendet bleibt bei solchem entschlossenen Willen, die herrschenden Gewissheiten zu bestätigen, dass im Hauptteil der Untersuchung ganz andere Zahlen Anlass zum Erschrecken bieten: So heißt es bei Pfeiffer & Co. auf der Seite 67 über die Täter-Opfer-Verteilung bei Fällen manifester Jugendgewalt: „Ein replizierter Befund ist, dass nicht-deutsche Jugendliche in höherem Maße zu Gewalt neigen als deutsche Jugendliche.“
In Zahlen (S.70): „Ähnliches zeigt sich für die mehrfache Gewalttäterschaft (mind. 5 Taten). Auch hier erreichen Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien mit 9,4 Prozent den höchsten Wert, gefolgt von jungen Türken mit 8,3 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Jugendliche aus Asien mit 2,6 Prozent und deutsche Jugendliche mit 3,3 Prozent.“
Für die Erörterung der Verhältnisse an den Schulen dürften auch folgende Hinweise von Interesse sein, die sich mit der Häufigkeit befassen, mit der Jugendliche aus unterschiedlichen ethnischen Milieus zu Opfern werden: „Besonders niedrige Quoten werden von den Befragten aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, aus arabischen und nordafrikanischen Herkunftsländern berichtet. Türkische Jugendliche berichten darüber hinaus am seltensten über Mobbing durch andere Schüler. Da diese Jugendlichen auch durch hohe Täterraten gekennzeichnet sind, ist zu vermuten, dass die niedrigen Opferraten dadurch zustande kommen, dass sie bei anderen Jugendlichen als gewalttätig gelten.“
Bemerkenswert ist auch die folgende Aussage (S. 62), die man von Lehrern in Großstädten schon lange hören kann: „Wie Abbildung 4.26 verdeutlicht, steigen für deutsche Jugendliche sowohl das Gewalt- als auch das Mobbingrisiko mit steigendem Anteil von Migranten in der Klasse.“
Nun kann man angesichts der methodischen Fragwürdigkeit dieses „Forschungsberichts“ auch diese Zahlen anzweifeln. Hier geht es aber nur darum, dass solche Informationen im Medienecho gar nicht mehr zu hören sind.
Aber vielleicht gilt ihre Erwähnung bei den verantwortlichen Redakteuren ja bereits als Zeichen von „Ausländerfeindlichkeit“, weshalb sie vorsorglich darüber schweigen.
Und gar nicht daran zu denken ist, dass man solche Befunde zum Anlass nähme, einen „Aufstand der anständigen Migranten“ zu fordern, um die verwahrlosten jungen Barbaren wenigstens mit einem Mindestmaß an zivilisatorischen Umgangsformen vertraut zu machen.
Klar ist, dass diese Form des Journalismus längst kein Interesse mehr hat, mit unverstellter Neugier sich auf die Untersuchung einer widersprüchlichen Wirklichkeit einzulassen. Das Urteil steht schon seit langem fest. Die im Takt der Jahreszeiten publizierten Horrorstudien über die unverbesserlich rechtsextremistischen Deutschen, mit denen Pfeiffer, Heitmeyer, die Friedrich-Ebert-Stiftung e tutti quanti das Perpetuum Mobile ihrer surrealen „Antifa“-Wissenschaft in Gang halten, haben nur den Zweck, immer neue Belege für das wohlbekannte Altböse zu liefern.
Niklas Luhmann, der ironische Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse, hat einmal die Funktion des Mediensystems als Pflicht zur ständigen Irritation der umlaufenden Gewissheiten beschrieben. Den heute zu beobachtenden „Funktionswandel der Öffentlichkeit“ hat sich selbst dieser kluge Kopf wohl nicht vorstellen können. Er wird auf Dauer die jetzt noch dominierenden Medien aber mehr beschädigen als das die ökonomische Krise vermöchte.
† Winnenden 2009…
Winnenden | 19.03.2009 05:00 | Götz Eisenberg
Industrialisierung des Mitleids
Was sagt es über den Zustand einer Gesellschaft, wenn sie bezahlte Experten benötigt, um Kinder zu trösten? Über die „fürsorgliche Belagerung“ durch Trauma-Psychologen
In Winnenden wurden nach dem Amoklauf des Tim K. rund 100 Psychologen aus ganz Deutschland zusammengezogen, um Menschen Beistand zu leisten, die im Jargon des psychosozialen Helfersystems „Betroffene“ heißen.
Die ARD präsentierte uns in einer Nachrichtensendung ein vielleicht 12-jähriges Mädchen, dessen Freundin sich unter den Opfern befand. Ob ihr denn jemand schon geholfen habe, wurde sie von der Reporterin gefragt. Das Kind berichtete unter Tränen, dass es gerade einer Psychologin begegnet sei, die ihr geraten habe, sich mit einer Freundin zu treffen und sich ein „bisschen abzulenken“. Andere Jugendliche erhielten die Expertenempfehlung, jetzt „ganz fest zusammenzuhalten“.
Als vor einiger Zeit an den ersten Amoklauf in einer Schule in Köln-Volkhoven 1964 erinnert wurde, wo der 42-jährige Frührentner Walter Seifert mit einer zum Flammenwerfer umgebauten Unkrautspritze auf das Gelände seiner ehemaligen Volksschule eindrang und acht Kinder und zwei Lehrerinnen tötete und zahlreiche andere schwer verletzte, fragte man überlebende Opfer und Zeugen, wie sie denn damals betreut worden seien.
Die Individualisierung zerstört das „soziale Immunsystem“
„Gar nicht“, war die verblüffend kurze und erstaunte Antwort. Man habe das Erlebte entweder selbst oder gewissermaßen beiläufig im Rahmen der Familien, der Nachbarschaft und der Kirchengemeinde so weit bewältigt, dass ein wie immer reduziertes Weiterleben möglich wurde. Natürlich habe das Ereignis teilweise bis heute fortwirkende Spuren in den Lebensläufen hinterlassen.
Offensichtlich existierte damals noch etwas, was man als „soziales Immunsystem“ bezeichnen kann. Die Einzelnen waren in soziale Gemeinschaften auf eine Weise eingebettet, dass auch im Falle größter zwischenmenschlicher Katastrophen niemand aus der Welt zu fallen drohte. Die Menschen interessierten sich noch füreinander und kümmerten sich umeinander, wenn jemand in eine Notlage geriet. Hier müssen im Laufe der seither vergangenen Jahrzehnte gravierende Veränderungen vor sich gegangen sein.
Die Tendenz zur Individualisierung hat die letzten Reste von Gemeinschaftlichkeit offensichtlich geschleift und das „soziale Immunsystem“ zerstört. Mitgefühl und gegenseitige Nothilfe nehmen Warenform an und werden mehr und mehr in bezahlte Dienstleistungen verwandelt.
Was sagt es uns über den Zustand einer Gesellschaft, wenn sie bezahlte Experten benötigt, um Kinder zu trösten? Wie wir unserem geschwächten körperlichen Immunsystem mit allerlei Nahrungsergänzungsmitteln auf die Sprünge helfen, so versuchen wir das vom Kollaps bedrohte „soziale Immunsystem“ mit Hilfe von synthetisch nachproduziertem Mitgefühl und käuflicher Nothilfe aufzupäppeln.
Ein Haus stürzt ein, ein Tunnel brennt, ein Zug verunglückt, eine Lawine geht nieder, ein Flugzeug stürzt ab und prompt werden wir am Ende der Nachricht mit dem Hinweis darauf beruhigt, dass Psychologen bereits vor Ort seien und die Betroffenen betreuten. „Ja, dann ist ja alles in Ordnung“, sagen wir uns und lehnen uns im Sessel bequem zurück.
Ordnungsgemäße Traumabewältigung
Wer nach einem erlittenen Schock den Weg zurück in die Normalität so ohne Weiteres nicht findet und über die durchschnittliche Halbwertszeit der Betroffenheit hinaus Anzeichen leib-seelischer Erschütterung zeigt, gerät seit den frühen achtziger Jahren unter die Deutungshoheit von Psychologie und Psychiatrie.
Das nachhaltige Leiden an schockartigen Erfahrungen wird seither in den psychiatrischen Diagnosemanualen als „posttraumatische Belastungsstörung“ geführt, die sich in bestimmten Symptomen manifestiert, die man an Opfern von Flugzeugabstürzen, Eisenbahn- und Grubenunglücken und Verbrechen gleichermaßen beobachtet hat. Seit man um die möglichen Spätfolgen traumatischer Erfahrungen weiß, wartet man nicht mehr ab, bis sie sich artikulieren, sondern fliegt an den jeweiligen Ort des Unglücks oder der Katastrophe sofort jede Menge Psychologen und Trauma-Experten ein, die die „Betroffenen“ vorsorglich in ihre Obhut nehmen und ihnen zeigen, wie man ein Trauma ordnungsgemäß bewältigt.
In den Wochen nach dem Schulmassaker befanden sich ungefähr 50 Psychologen in Erfurt, um Schüler, Lehrer und Angehörige zu betreuen. Nach der Wiederaufnahme des Unterrichts standen wöchentlich zwei Stunden „Traumabewältigung“ auf dem Lehrplan. Eine Schülerin berichtet, ihre Psychologin habe die Stunde mit der Aufforderung begonnen, dass alle ihre Gefühle in einen mitgebrachten Karton hineintun sollten. Die Schüler wurden gedrängt, Fragebögen ausfüllen, damit die Psychologen herausfinden konnten, wer als „hochtraumatisiert“ einzustufen war und infolgedessen eine weitergehende Einzeltherapie benötigte. Die Psychologen standen phasenweise Schlange, um endlich Kontakt zu einem „Betroffenen“ zu bekommen.
Angesichts einer derart massiven Präsenz von Experten, die vorgeben zu wissen, wie man ein solches Ereignis verarbeitet, und im Falle von Verhaltensauffälligkeiten psychotherapeutische Zuwendung anordnen, nimmt es nicht wunder, dass es auch kritische Stimmen und fast so etwas wie antikolonialen Widerstand gegen die Invasion der Psychologen gab und gibt. „Wir sind doch nicht psychisch kaputt, wir sind einfach nur traurig“, wehrte sich ein 16jähriger Schüler.
Aufdringliche Psychologen
Eine Schülerin äußerte gar, das Schrecklichste neben der Journalisten-Plage seien eigentlich die Psychologen gewesen, die einem überall aufgelauert und mit raffinierten Tricks zu verhindern versucht hätten, dass jemand mit Freunden und Angehörigen oder gar mit sich selbst allein war. Wer sich beratungs- und therapieresistent verhalte, riskiere schlimme und schlimmste Spätfolgen, so sei zu hören gewesen, nur fachliche Anleitung garantiere, dass man einigermaßen glimpflich davonkomme.
Aufdringliche Psychoattacken dieser Art verhindern, dass die Opfer von Gewalterfahrungen zunächst einmal auf ihre eigenen Bewältigungsmechanismen und die ihrer näheren Umgebung zurückgreifen, und zielen darauf ab, mäandernde psychische Prozesse unter Kontrolle zu bringen und zu begradigen. Manche Kritiker behaupten, dass Psychologen durch ihren voreiligen Zugriff und imperialen Gestus häufig die Störung erst schaffen, die zu behandeln sie vorgeben.
Experten, ursprünglich auf den Plan gerufen, um gesellschaftliche Mangelkrankheiten zu kompensieren, tragen, wenn sie sich als Berufszweig einmal etabliert haben, dazu bei, das „soziale Immunsystem“ durch Enteignung und Ausdünnung von Kompetenzen weiter zu schwächen. Irgendwann sagen sich die Leute: „Bevor ich beim Helfen und Trost spenden irgendetwas falsch mache, überlasse ich es lieber den Fachleuten und halte mich raus.“
Wir sollen uns daran gewöhnen, unsere unwägbaren Gefühlszustände mittels Einnahme von psychoaktiven Substanzen oder Inanspruchnahme von Beratung zu regulieren. An die Stelle autonomer Ich-Leistungen tritt der Gang zu Arzt und Apotheker oder zur nächsten psychosozialen Beratungsstelle. Das als Kleinstunternehmen konzipierte Subjekt soll ein „Selbstmanagement“ erlernen, dem sein Selbst mehr und mehr abhanden kommt.
Amok-Frühwarnsysteme
In den letzten Tagen ist noch eine andere Variante psychologischen „Trittbrettfahrertums“ medial groß in Erscheinung getreten. „Kriminalpsychologen“ haben die Prävention als lukrativen Forschungs- und Geschäftszweig entdeckt und warten mit Amok-Frühwarnsystemen auf. Sie suggerieren, durch Einführung eines „Bedrohungsmanagements“ und von durch sie ausgebildeten „Krisenteams“ an Schulen ließe sich die Zahl der Schulschießereien zukünftig drastisch reduzieren und das „Problem in den Griff“ bekommen.
Wir haben es hier mit einem nach innen gewendeten psychotechnischen Machbarkeitswahn zu tun, der die innere menschliche Natur nach dem Muster der äußeren unter Kontrolle bringen zu können glaubt. Die aufgelisteten „Warnsignale“ geben sich immer erst als solche zu erkennen, wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist.
A posteriori scheint alles einer Logik zu folgen, die schon die ganze Zeit über auf eine aggressive Eruption zusteuerte. Vorher sind die so genannten Warnsignale meist nur verquere jugendliche Lebensäußerungen und Tagträume, die sich irgendwann auswachsen und von selbst erledigen.
Würde man auf diese in bürokratischer Routine mit Kontrollmaßnahmen oder psychologisch-sozialarbeiterischer Zwangszuwendung reagieren, entstünde an Schulen eine Fahndungsmentalität und ein Klima universalen Verdachts, die gerade jenes Frühwarnsystem zu zerstören drohten, über das halbwegs lebendige Schulgemeinschaften als Gratisbeigabe verfügen und das von emotionalen Bindungen und wechselseitigem Vertrauen gespeist wird.
Götz Eisenberg, Jahrgang 1951, arbeitet als Gefängnispsychologe in der JVA Butzbach. Zuletzt erschien von ihm Gewalt, die aus der Kälte kommt. Amok, Pogrom, Populismus im Psychosozial-Verlag (2002)
Sieben Minuten…
Die eigentliche Nachricht war nur sehr kurz, sie lautete:
Ein 17-Jähriger erschießt in einer Realschule in Winnenden bei Stuttgart/Baden-Württemberg und bei seiner anschließenden Flucht 15 Personen und nimmt sich nach einem Schusswechsel mit der Polizei das Leben. Der Täter war ein ehemaliger Schüler der Realschule.
Als ich diese Nachricht hörte, war mein erster Gedanke, jetzt geht das wieder los…
Mit dem Wort „das“ meine ich die sattsam bekannte „Berichterstattung“ deutscher Qualitätsmedien in Fällen wie dem o. beschriebenen. Mein Bauchgefühl sagte mir, hier kannst Du wieder mit Allem rechnen, nur nicht mit einer sachlichen Berichterstattung.
Was soll ich sagen, mein Bauch hatte recht denn bereits sieben Minuten nach dieser brutalen, unfassbaren Tat, als alle noch von Entsetzen gelähmt, die Toten noch nicht mit Decken bedeckt waren…der Schock sich bei den Betroffenen breit machte, exakt sieben Minuten nach diesem Grauen hatte die Presse die Ursache für diesen Amoklauf parat, den Fall damit quasi gelöst.
Schuld an dieser Tat, der Auslöser für diese Tat -wie kann es anders sein- sind die „Killerspiele, ist das Internet“…

Noch Fragen.?
Und während in anderen Ländern(Finnland/USA)bereits nach den Massakern von Columbine in Littleton/Colorado die richtigen Konsequenzen gezogen wurden, man z.B. Lehrer weiterbildet und besser bezahlt, Psychologen in Schulen schickt damit die mit den Schülern notfalls arbeiten…Ganztagsschulen einrichtet usw. gefällt man sich in Deutschland immer noch in der Rolle des satten Besserwissers und weißt -wie immer eigentlich- alle Schuld von sich… denn wir haben doch hier keine Probleme in diesem Land, an unseren Schulen. Diese Tat war doch wieder nur die Tat eines verwirrten,schießwütigen… eines spielsüchtigen Junkies der stundenlang „Killerspiele“ spielte… und sonst nichts gebacken kriegt.

Es ist ja so einfach in diesem Land.
Was nicht passt, wird passend gemacht…
Regelmäßig nach solchen Taten prostituieren sich dann ganze Heerscharen von Politikern vor laufenden Kameras, heucheln Betroffenheit und fragen medienwirksam nach dem WARUM.?
Lösungen haben diese Leute meist auch schon parat: das Waffengesetz muß z.B. verschärft werden und… ganz wichtig…“Killerspiele“ müßen verboten werden..!
Das sind deren Antworten, daß ist alles, mehr kommt nicht von denen… seit Columbine immer die gleiche Leier, immer der selbe abgedroschene Text der -so sieht es zumindest die Mehrheit der Deutschen- über die wirklichen Probleme hinweg täuschen soll. Die wichtigen Fragen werden auch hier bewusst nicht gestellt, die klammert ,man aus… genauso wie 2006 im nordrhein-westfälischen Emsdetten (37 Verletzte), 2002 im thüringischen Erfurt (16 Tote), im selben Jahr im bayrischen Eching (drei Tote), 2000 im bayrischen Brannenburg (ein Toter), 1999 im sächsischen Meißen (eine Tote), 1983 im hessischen Vockenhausen (fünf Tote) und 1964 in Köln (zehn Tote, 26 Schwerverletzte).
Über die eigentlichen Probleme -die nachweislich alle Täter gehabt haben- spricht man nicht…man spricht einfach nicht über Gewalt unter Jugendlichen, man spricht nicht über ausufernden Erfolgsdruck an Schulen, man spricht nicht über Gewalt an Schulen oder darüber das es etwa in der Realschule von Winnenden sog. Streiträume gibt oder sog. Streitpolizisten, man spricht nicht über Mobbing etc.! Und sollte trotzdem mal ein „Abschiedsbrief“ im Internet auftauchen, wird dieser leise, still und heimlich von den Behörden entfernt. Punkt.
Und weil das so ist, weil man lieber weg sieht, weil man nicht über real vorhandene Probleme spricht in diesem Land, weil man nicht mit Problemen belästigt werden möchte, werden wir damit leben müssen, daß sich Amokläufe an deutschen Schulen wiederholen…daß es wieder Tote geben wird. Das nehmen wir alle sozusagen billigend in Kauf.
Kollateralschäden nennt man das wohl.

23. September 2008, Finnland: Ein 22-jähriger Berufsschüler erschießt an seiner Schule im Westen Finnlands neun Schüler und einen Lehrer. Anschließend richtet er die Waffe gegen sich selbst und erliegt später seinen Verletzungen. Noch am Tag vor der Tat war er wegen Gewaltvideos von der Polizei verhört worden.
14. Februar 2008, USA: Ein ehemaliger Student tötet an der Northern Illinois University fünf Menschen und verletzt 18, bevor er sich das Leben nimmt.
7. November 2007, Finnland: In Jokela erschießt ein 18-Jähriger acht Menschen, darunter sechs Mitschüler, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtet.
16. April 2007, USA: An der Technischen Universität von Virginia erschießt ein Mann 32 Menschen und verletzt 15, der folgenschwerste Vorfall dieser Art in der Geschichte der USA.
20. November 2006, Deutschland: In Emsdetten eröffnet ein 18-Jähriger das Feuer in seiner ehemaligen Schule. 37 Menschen werden verletzt, bevor der Täter Selbstmord begeht.
2. Oktober 2006, USA: Der Fahrer eines Lieferwagens eröffnet in Pennsylvania das Feuer im Klassenzimmer einer Schule der Amish, einer christlichen Religionsgemeinschaft. Fünf Mädchen werden getötet, fünf verletzt.
21. März 2005, USA: Ein 16-jähriger Oberschüler erschießt fünf Schüler, einen Lehrer und einen Wachmann an einer Schule in einem Indianer-Reservat in Minnesota. Er tötet zudem seinen Großvater und dessen Freund.
26. April 2002, Deutschland: Beim Amoklauf in einem Erfurter Gymnasium tötet ein 19-Jähriger binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst. Unter den Toten sind zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und ein Polizist. 20.
Februar 2002, Deutschland: Im oberbayrischen Eching erschießt ein Amokläufer in einer Dekorationsfirma den Betriebsleiter und einen Vorarbeiter. Danach fährt der 22-Jährige ins nahe Freising und erschießt den Direktor der Wirtschaftsschule, von der er suspendiert worden war. Einen weiteren Lehrer verletzt er mit einem Schuss schwer. Dann tötet er sich mit einem Schuss in den Mund.
8. Juni 2001, Japan: Ein Mann ersticht an einer Grundschule nahe Osaka acht Kinder. Weitere 20 Schüler überleben den Amoklauf schwer verletzt.
20. April 1999, USA: An der Oberschule von Columbine in Littleton in Colorado töten zwei Jugendliche zwölf Mitschüler und einen Lehrer, bevor sie sich selbst erschießen.





